Artikel & Veröffentlichungen

 

 

Alter Glanz

Leinölfarbe hat sich über die Jahrhunderte als Anstrich für drinnen und draußen bewährt. Sie lässt sich leicht auffrischen und entwickelt über die Jahre eine würdevolle Patina.

Landlust, Mai/Juni 2014

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Holz im Außenbereich

Das gestiegene Umweltbewusstsein, aber auch die Bestimmungen der Lösemittelverordnung führen momentan zu einer Renaissance der Leinölfarbe ohne Lösemittel für Anstriche auf Holz.

Restauro, 10/2012

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Das Nachölen von Ölfarben -
die Pflege von Leinölfarben auf bewitterten Holzteilen mit Leinöl

Eine Annäherung über Quellen und Feldexperimente

Vorgelegt von Claude Caviglia

Fachbereich Konservierung und Restaurierung Master of Arts in Conservation - Restauration, Vertiefung: Architektur, Ausstattung und Möbel, Referent: Dr. phil.-nat. Stefan Wülfert, HKB, Koreferent: Rest. Johannes Mosler, Hadamar DE, Abschluss: Herbstsemester 2017

 

Abstract

Die vorliegende Masterthesis setzt sich mit der Pflege von Leinölfarben auf Holz im Aussenbereich mittels Leinöl auseinander. Sie soll dazu beitragen, dass das Nachölen in seiner Wirkung wie auch Nebenwirkungen als Massnahme zur Pflege und Konservierung von Leinöl- Anstrichen besser verstanden wird. Das Nachölen wurde schon Mitte des 19. Jahrhunderts empfohlen. Heute erlebt die Leinölfarbe und das Nachölen ein Revival.

Im Rahmen der Arbeit wurden zehn verschiedene Fachpersonen aus dem Bereich der Restaurierung und des Malerhandwerks zum Thema «Nachölen» interviewt und historische wie zeitgenössische Literatur erschlossen. An Probeobjekten konnten exemplarisch Versuche durchgeführt und ausgewertet werden.

Aus dem erarbeiteten Wissensstand zum Nachölen kann gefolgert werden, dass das Nachölen als Methode der Erhaltung von Ölfassungen im Aussenbereich aus konservatorisch-restauratorischer Sicht auch heute durchaus in Frage kommt.

Ergänzt wird die Arbeit durch eigene Empfehlungen und Erfahrungen betreffend dem Nachölen von Leinölfarbe im Aussenbereich. Es geht dabei hauptsächlich um den idealen Zeitpunkt des Einsatzes, welcher für Erfolg oder Misserfolg entscheidend sein kann.

Abb. 1: Nachölen eines Torflügels des Kloster Eschenbach LU: Das Halböl (rohes Leinöl) wird mit einem Pinsel aufgetragen. Der Unterschied zwischen nachgeölt und unbehandelt ist gut sichtbar. (M. Huüppi, Standbild aus Filmaufnahme, 2017)

Abb. 2: Vergleich von FTIR-FPA-Aufnahmen des Spektrum-Bereiches von Oxalaten (1341-1294 cm-1) in Proben vor und nach dem Nachölen: Eine Oxalat-Schicht ist an der Oberfläche der Malschichten auszumachen.(S.Zumbühl, bearbeitet durvh C.Caviglia, 2017)

Abb. 3: REM-SE-Aufnahmen des Bauteiles "Türfragment UF" vor und nach dem Nachölen, 250-fach (links) und 3000-fach (rechts) vergrößert: Zwischen Vorzustand und nachgeölt sind die Unterschiede gut zu erkennen. Die Korngrenzen werden mit dem Nachölen unscharf und die Vertiefungen erscheinen wie aufgefüllt. (N.C. Scherrer, zusammengestellt durch C. Caviglia)

 

Einleitung

 

Leinölfarbe erlebt seit Jahren ein Revival und wird bei der Holzbeschichtung als «natürliche» und «ökologische» Alternative zu kunststoffbasierten Farben angepriesen. Immer mehr Fachpersonen wie auch Handelsbetriebe für den Malerbedarf empfehlen Leinölfarbe als richtige Wahl für die Beschichtung von Holzbauteilen im Aussenbereich. Zunehmend wird man sich bewusst, dass eine so eingesetzte Ölfarbe regelmässiger Pflege bedarf, um nicht vorzeitig ihre schützende und ästhetische Funktion zu verlieren.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Nachölen bewitterter, ölgefasster Holzbauteile im Aussenbereich und konzentriert sich dabei auf Leinölfassungen und den Einsatz von Leinöl als Konservierungsmittel.

Vorgehensweise

Das erste Kapitel der Arbeit widmet sich dem Leinöl als Rohstoff. Ein Überblick erläutert die Rohstoffgewinnung von Leinöl, welche Produkte daraus entstehen und wie diese trocknen und degradieren.

Als nächstes wurde die Leinölfarbe thematisiert. Neben Anwendungsgeschichte, Funktion und Alterungs-Phasen runden zwei Exkurse über die Farbigkeit des Holzwerkes und über das Holz im Aussenbereich dieses Kapitel ab. Das dritte Thema behandelt das Nachölen als Methode. Neben einer Begriffsklärung wurde eine vertiefte Recherche der historischen Literatur durchgeführt, bei einzelnen Institutionen nachgefragt, Interviews mit Fachpersonen geführt und ausgewertet.

Die Arbeit schliesst mit einer Evaluation zum Nachölen als Konservierungsmethode für die heutige Praxis. Dazu wurden Proben vor und nach dem Nachölen von Testobjekten entnommen und im kunsttechnologischen Labor der HKB analysiert. Diese Analysen ermöglichten erste Einblicke in die Wirkungsweise des Nachölens.

Abb. 3: REM-SE-Aufnahmen des Bauteiles «Türfragment UF» vor und nach dem Nachölen, 250-fach (links) und 3000-fach (rechts) vergrössert: Zwischen Vorzustand und nachgeölt sind die Unterschiede gut zu erkennen. Die Korngrenzen werden mit dem Nachölen unscharf und die Vertiefungen erscheinen wie aufgefüllt. (N. C. Scherrer, zusammengestellt durch?C. Caviglia, 2017)

Ergebnisse

Licht und Feuchtewechsel begünstigen unter Bewitterung einen beschleunigten Abbau. Damit wird klar, dass die Erfahrungen aus dem Innenbereich sich nur bedingt auf den Aussenbereich übertragen lassen.

Die Interviews mit Fachpersonen erwiesen sich als wichtige Quellen neben den wenigen schriftlich überlieferten Quellen. Daraus lässt sich «Nachölen» als Bezeichnung für die Methode als Fachbegriff vorschlagen.

Bei der Evaluation des Nachölens konnten nur exemplarische Anwendungen erprobt und dokumentiert werden. Materialanalysen waren nicht oder nur wenig erfolgreich. An einigen Oberflächen fand man Oxalatschichten,die möglicherweise das Eindringverhalten beeinflussen. An REM-Aufnahmen konnte man immerhin erwünschte Oberflächenveränderungen durch Nachölen aufzeigen. Auf der Basis des erarbeiteten Wissensstands zum Nachölen kann gefolgert werden, dass das Nachölen als Erhaltungsmethode für bewitterte Ölfassungen auf Holz im Aussenbereich aus konservatorisch- restauratorischer Sicht durchaus in Frage kommt. Dabei lassen sich auch erste Empfehlungen, beispielsweise zum richtigen Zeitpunkt des Nachölens geben, die für den konservierenden Erfolg der Methode bedeutsam sein könnten. In erster Linie hofft diese Arbeit allerdings, Material als Grundlage für weitere Untersuchungen zur Verfügung zu stellen.

 

 

Denkmalpflege in der Schweiz:
Zwei Beispiele aus Graubünden

oder: Fachwissen teilen hilft Denkmäler heilen

Ein lesenswerter Artikel aus der Fachzeitschrift "Restaurator im Handwerk" (Ausgabe 4/2015) von Johannes Mosler

 

Historische Fenster erhalten: Möglichkeiten und Grenzen der Eigenleistung

 

Wissen ist Macht, heißt es immer. Es macht aber auch Spaß, Wissen zu teilen. Als Spezialist für die Instandsetzung historischer Fenster bringe ich seit vielen Jahren Denkmaleigentümern bei, wie sie in die Jahre gekommene Holzfenster mit der richtigen Pflege instand halten. Ich nenne das Hilfe zur Selbsthilfe. Überdies gibt es kaum eine andere Holzkonstruktion, die so viele andere Materialen mitträgt: Man hat es mit Holz in Verbindung von Farbe, Glas und Metall zu tun. Das Wissen darüber ist auf andere Holzelemente im Außenbereich übertragbar.Laien lernen bei mir, unbrauchbare Farbschichten schonend zu entfernen, den Leinölkitt zu erneuern und wie man den dreischichtigen Pflege- und Schutzanstrich mit Leinölfarbe richtig aufbaut. Immer wieder beobachte ich, wie positiv sich diese Arbeit auf die Teilnehmer auswirkt. Die neu erworbenen Fähigkeiten helfen ihnen, alte Holzbauteile besser zu beurteilen. Sie erkennen technische und historische Zusammenhänge. Und sie wissen nun die Handwerkerleistung von einst und deren baukulturelles Erbe noch mehr zu schätzen. Die Laien machen das, was sie sich als Dienstleistung meist nicht leisten könnten. Ihre Befähigung macht die Restaurierung oft überhaupt erst möglich.Bei verwandten Handwerksberufen gehe ich einen Schritt weiter. Wenn es vor Ort keine Fensterrestauratoren gibt, ist es sinnvoll, das Know-how dorthin zu bringen und die Baubeteiligten zu Experten zu machen. Ich habe erlebt, dass ein Zimmermann, der in einem Denkmal Dach und Balken erneuerte, mit einem von mir reparierten Musterfenster als Vorlage und sorgfältiger Anleitung Schäden an alten Holzfenstern denk- malgerecht einwandfrei ausbessern konnte. Auch solche Maßnahmen helfen, Nicht-Restauratoren die Augen für das oftmals bedrohte baukulturelle Erbe zu öffnen und auf diese Weise die Basis der Befürworter zu vergrößern. Ich möchte anhand zweier Denkmal-Sanierungen in der Schweiz Fälle aus meiner Praxis schildern. Beide Male handelt es um die Erhaltung der Fenster typischer Bauernhäuser im Kanton Uri. Es war für mich eine große Ehre, daran mitzuwirken.

 

Mittlere Bärchi

Rückbau als Familienprojekt

Karl und Antonia Aschwanden erwarben 1980 mit dem Bauernhaus Mittlere Bärchi oberhalb des Ortes Bauen im Schweizer Kanton Uri ein Stück früherer Familiengeschichte, den der Bauernhof, 1755 am Ende des Isenthals auf einer Bergterrasse erbaut, gehörte einst einem ihrer Vorfahren. Die Familie Aschwanden plante von Anfang an, das Gebäude nach und nach in seinen ursprünglichen Zustand zurück zu führen und ihren fünf Kindern so die bäuerliche Lebensart näher zu bringen.

 

Kachelofen statt Zentralheizung

Der Sockel des Blockbaus ist aus Stein gemauert und birgt einen Keller sowie einen niedrigen Raum, der als Schweinestall genutzt wurde. Seitlich am Haus führt eine Holztreppe zum Haupteingang. Über dem Keller liegen die geräumige Stube und das Stübli. Diese beiden Räume, mit zahlreichen Fenstern versehen, wenden sich der Straße zu. Der für diese Region typische Zugladen an der Fassade sowie der Fensterrahmen sind mit einem weiß-roten Flammenmuster gefasst. Die Wände und Decke des Stüblis sind zum Teil mit Schablonenmalereien ausgestattet.

In der hinteren Haushälfte liegen die Küche und eine angeschlossene Speisekammer. Auf gleicher Höhe sind außen am Haus ein Holzlager und neben dem Stübli ein Abort eingerichtet. Auf die Küche folgen ein Keller und die frühere kleine Sennerei, die heute als Waschküche genutzt wird. Im Obergeschoss gibt es zwei große und eine kleine Kammer sowie einen Vorraum. Direkt unter dem relativ flach geneigten Dach liegt eine weitere Kammer. Die von den Vorbesitzern eingebaute Zentralheizung wurde durch einen gemauerten grünen Kachelofen zwischen Stube und Stübli ersetzt. Fließendes Wasser gibt es nur in der Waschküche. Die Plumpsklos von damals sind nach wie vor in Funktion.

 

Eigenleistung fördert Wertschätzung

Für die fünf Kinder der Familie war das Bauernhaus immer ein Ort des Abenteuers und der Unbeschwertheit, in dem sie ihre Ferien verbrachten. Inzwischen sind sie erwachsen und haben ihre Liebe und Verantwortung für ihr Kultur- und Familienerbe entdeckt. Einen Beitrag dazu leistete auch ein gemeinsames Projekt, mit dem die Eltern die Bindung an das Haus und dessen Wertschätzung bei den Kindern stärken wollten: Im Sommer 2012 trafen sie sich alle vor Ort, um die Außenfenster zu pflegen und neu zu streichen. Der angenehme Nebeneffekt: Durch die Aktion sparten sie sich einige Kosten.

Ich wurde beauftragt, vorab eine Bestandsaufnahme mit Schadenskartierung und Maßnahmenempfehlung zu erstellen. Bei den vorhandenen Fenstern handelte es sich um einen gut erhaltenen Mischbestand von barocken Innenfenstern aus Tannenholz und geschmiedeten Beschlägen bis zu Vorfenstern von etwa 1930 aus Lärchenholz. Reste alter Leinölfarbanstriche sah man an den Außenfenstern nur unter dem Sturz. Exponierte Holzaußenflächen waren bis zu zwei Millimeter aus- gewittert und entsprechend ausgemagert. Von Fäulnis jedoch keine Spur. Die in Glasnut oder Kittfalz gehaltenen Zylindergläser waren nahezu vollständig erhalten. Die Innenfenster in der Stube und den Schlafzimmern waren zuletzt innen mit weißer Baumarktfarbe gestrichen worden.

 

Bloß kein blinder Aktioniosmus

In blindem Aktionismus alte Farbreste zu entfernen, könnte jedoch fatale Folgen haben. Auch hier zeigen sich die Grenzen der Eigenleistung. Eine fachmännische "Anamnese" vorab samt "Diagnose" und entsprechenden "Therapievorschlägen" zeigt auf, was machbar ist und was nicht. Restaurator Peter Egloff aus dem nahen Littau bei Luzern untersuchte die Farbbefunde der Innenfenster aus dem Stübli aus der Zeit von 1760. Es ist sinnvoll, in solchen Fällen Kollegen vor Ort in die Befunduntersuchung einzubinden, auch weil sie Spezialisten für die regionalen Besonderheiten der heimischen Baukultur sind. Peter Egloff fand heraus, dass die unterste Farbschicht der oberflächlich weißen Innenseiten mit Schweinfurter Grün gestrichen worden war. Diese Farbe ist arsenhaltig, beim Abschleifen könnten also giftige Stäube freigesetzt werden. Ein Laie hätte das nicht erkannt und so seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Wir ließen diese Fenster unbehandelt. Solange die grünen Farbreste in der alten Ölfarbe gebunden sind, richten sie keinen Schaden an. In Zukunft könnten die Flächen mit dem gleichen Farbton, aber ungiftigen Pigmenten, überstrichen werden.

 

Holzreparaturen vom Experten

Lediglich zwei Fenster benötigten holztechnische und materialgerechte Reparaturen, so dass sie in die Werkstatt mussten, um verzogene Flügelhölzer zu begradigen oder ausgerissenen Zapflöchern ihre Funktion wiederzugeben. Die übrigen Außenfenster bzw. Winterfenster wurden an mehreren Kurs-Wochenenden unter meiner Anleitung von der Familie selbst wieder ertüchtigt.

Alle Familienmitglieder beteiligten sich: sie entfernten behutsam die unbrauchbaren Farbreste, dünnten die Oberflächen mit scharf geschliffenen Winkelschabern aus, entfernten lockeren Kitt und erneuerten ihn mit frischem Leinölkitt. Die so vorbereiteten Oberflächen wurden mit einem Anstrich aus Leinölfarbe geschützt. Zuerst wurden die Holzoberflächen mit rohem Leinöl imprägniert und danach die Leinölfarbe in drei Schichten aufgetragen - mit den entsprechenden Trockenzeiten dazwischen.

Das Ziel des Fensterprojekts, die Identifizierung der nächsten Generation mit dem Familienerbe, scheint gelungen: Daia Aschwanden, einer der Söhne, nahm diese Erfahrung zum Anlass, seine Maturaarbeit 2013 über das Bauernhaus Mittlere Bärchi zu schreiben. Er beschäftigte sich mit der Geschichte des Hauses, den ähnlich alten Nachbarhöfen und wie beim Erhalt eines solchen Hauses Bauherren und Handwerker der Denkmalpflege Hand in Hand arbeiten können. Der Name Bärchi soll sich übrigens von dem althochdeutschen Adjektiv „berht“ oder „beraht“ ableiten, was glänzend und hell bedeutet. Ein passender Name für die schöne Sonnenterrasse über dem Urnersee, auf der das Gebäude seit über 250 Jahren steht.

 

Stüssihofstatt:

In der Abgeschiedenheit den Horizont erweitern

Die Stüssihofstatt steht seit 1450 auf einer Hochebene in 1.000 Metern Höhe. Als eines der letzten spätmittelalterlichen erhaltenen Bauwerke im Schächental überlebte es all die Jahrhunderte baulich nahezu unverändert. Es handelt sich um ein typisches Gottharder Bauernhaus: zweigeschossiger Blockbau, flaches Satteldach, niedriger Bruchsteinsockel, von beiden Traufseiten erschlossen, in der Mitte ein Quergang. Es zählt zu den ältesten Denk- malbauten im Schweizer Kanton Uri und sollte nach Auszug der letzten Mieter 2010 für einen Neubau Platz machen. Letztlich konnten dies Eduard Müller, damals Denkmalpfleger des Kantons Uri, und die Stiftung Ferien im Baudenkmal in Zusammenarbeit mit der Besitzerfamilie verhindern. Seit 2014 bietet die behutsam wiederbelebte Stüssihofstatt Platz für acht Feriengäste. Sie sollen die Atmosphäre einer Urner Hofstatt erleben, aber auch die Geschichte des Hauses und seiner früheren Bewohner spüren.

 

Charakter bewahren

„Die Sanierung bot keine nennenswerte Probleme“, resümiert der verantwortliche Architekt Hanspeter Odermatt. Er restauriert seit 15 Jahren alte Gebäude und hat sich eine imaginäre Brille zugelegt. Wo andere eine Ruine sehen, erkennt er die Qualitäten: „Mein Blick konzentriert sich auf die konstruktiven Elemente, die instandgesetzt und bewahrt werden müssen, um den Charakter des Hauses größtmöglich zu bewahren.“ Dazu gehörten auch vorhandene Spuren der Nutzung wie etwa die ausgetretenen Böden oder der verrußte Korridor. Ebenso sollten die Fenster alle erhalten bleiben. So wurde auch hier eine Fensterdokumentation mit Schadenskartierung und Maßnahmenempfehlung erstellt. In der Abgeschiedenheit des Schächentals gab es keinen Fensterrestaurator. So wurde eine Musterreparatur mit Fotodokumentation angefertigt, die als Grundlage für eine Reparaturausführung durch einen ortsansässigen Zimmermann diente.

 

In der Ruhe liegt die Kraft

Christian Hänni, Zimmermann bei Gotthard Holzbau in Schattdorf, ertüchtigte auf der Baustelle der Stüssihofstatt nicht nur die Balkenkonstruktionen und die Holzverschalung an der Fassade, sondern erneuerte auch das Dach traditionell mit handgespalteten Holzschindeln. „Ich habe nach Handwerkern gesucht, die vielseitig sind, die eine gewisse Ruhe in sich tragen und für das Gebäude ein Gewinn sind“, sagt der Architekt Hans- Peter Odermatt. Gotthard Holzbau und im speziellen Mitarbeiter Christian Hänni habe mit seiner fast medi- tativen Arbeitsweise die nötige Ausdauer mitgebracht, um auch die feinsten Fensterelemente sorgfältig zu bearbeiten. Die für einen Zimmermann untypische Aufgabe machte er in diesem Fall zu seiner Winterbeschäftigung. Zudem profitiert er nun von dieser Arbeit bei seiner Ausbildung zum „Handwerker in der Denkmalpflege“. Sein Fazit: Er wäre jederzeit wieder dazu bereit. 

 

 

 

Detailgenaue Anleitung

Die Schäden und die notwendigen Reparaturschritte wurden vorbereitend detailliert notiert. Rahmen und Flügel waren zu zerlegen, Holznägel teilweise zu ersetzen, Ergänzungen mit Holz gleichen Alters auszuführen, Blindzapfen einzusetzen. Auch die Oberflächenbehandlung orientierte sich an den Bedürfnissen historischer Fenster: thermische Entfernung filmbilden- der Lacke, Grundierung mit rohem, kaltgepressten Leinöl, zwei Anstriche Leinölfarbe ohne Lösemittel, Schlussanstrich mit fünf Prozent Leinölstandöl. Die Beschläge wurden zerstörungsfrei demontiert, schwarzgebrannt und wieder angebracht.

 

Neuer Blick auf alte Fenster

„Herr Mosler hat mit einem perfekten Muster samt einer ausführlichen Anleitung für mich eine sehr gute Grundlage geschaffen. Die Fenster wurden zusammen mit einem Maler restauriert. Ich hatte die reinen Holz- und Glasarbeiten zu erledigen“, sagt Zimmermann Christian Hänni. Es sei für ihn eine Umgewöhnung auf kleine Werkstücke gewesen, aber rein vom Prinzip der Reparatur am Fenster her bestehe kein großer Unterschied zur Reparatur an einem Dachbalken, der sichtbar bleibt. „Allerdings sind die Fenster der Stüssihofstatt von ihrer Größe, Bauart, Holzart und den Beschlägen eher einfach. Ein ähnliches Fenster würde ich wieder reparieren. Hätte ich aber zum Beispiel ein großes Eichenfenster vor mir, würde ich das nicht ohne weiteres wagen“, sagt der Zimmermann. Fenster seien für ihn totales Neuland. Er werde sich nicht da- rauf spezialisieren, aber er betrachte die Fenster in einem alten Haus?nun genauer als zuvor. Ihm sei bewusst geworden, dass es eines Tages?schwieriger werde, solche Fenster zu?retten, auch weil es kein passendes?Glas mehr geben könnte: „So werde?ich sicher in Zukunft aufmerksamer?schauen, was ich wegwerfe und was?nicht.“

 

Ferien in der Zeitmaschine

Der respektvolle Umgang mit der Substanz und die Liebe zum technisch authentischen Detail machen die Stüssihofstatt als Ferienhaus der Stiftung „Ferien im Baudenkmal“ zu einer Zeitmaschine, die alte und moderne Lebensweisen miteinander bindet. An der Fassade ergänzte man die beschädigte Verschalung materialgerecht mit neuem Holz. Im Erdgeschoss wurden in der Stube und im Stübli die vorhandenen Täferwände und -decken restauriert. Der von Ruß geschwärzte Eingangs- und Küchenbereich öffnet sich wie früher zu einem zweigeschossigen Raum. Von hier sind nun die eine moderne Küche und ein Gästezimmer in der ehemaligen Kammer erschlossen.

Hochmodernes Innenleben

Im östlichen Teil des Obergeschosses wurden neben der Treppe zwei Kammern zu einem zeitgemäßen Bad und einem Gästezimmer umgebaut. Eine zweite, steilere Treppe führt zu den beiden westlichen Kammern im Obergeschoss. Alle Räume sind mit Schweizer Design- Klassikern möbliert. Ein Kachelofen aus dem 15. Jahr- hundert mit hochmodernem Innenleben übernimmt neben dem Heizen auch die Warmwasserversorgung. Der handwerkliche Aufwand an vielen Stellen hat seinen Preis, aber auch seinen Wert. Die Baukosten von rund 730.000 Schweizer Franken konnten aus Spenden, Subventionen und Eigenmitteln sichergestellt werden und ermöglichten es der Stiftung dabei, die Stüssihofstatt für nachkommende Generationen zu sichern.Der respektvolle Umgang mit der Substanz und die Liebe zum technisch authentischen Detail machen die Stüssihofstatt als Ferienhaus der Stiftung „Ferien im Baudenkmal“ zu einer Zeitmaschine, die alte und moderne Lebensweisen miteinander bindet. An der Fassade ergänzte man die beschädigte Verschalung materialgerecht mit neuem Holz. Im Erdgeschoss wurden in der Stube und im Stübli die vorhandenen Täferwände und -decken restauriert. Der von Ruß geschwärzte Eingangs- und Küchenbereich öffnet sich wie früher zu einem zweigeschossigen Raum. Von hier sind nun die eine moderne Küche und ein Gästezimmer in der ehemaligen Kammer erschlossen.

 

 

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